
Busking the Hippie Trail
Die Gitarre symbolisiert, wie wohl kaum ein anderes Instrument, den unbeschwerten Lifestyle von Freiheit, Abenteuer und Lebenslust und das Reisen auf den legendären Routen des Hippie Trails stellt in dieser Hinsicht die gewiss farbenfrohste und konsequenteste Erfüllung aller Aussteiger-Sehnsüchte dar.
Mit meiner Gitarre als stets treue Begleiterin trieb es mich schon früh in meiner Jugend, unbeirrt und sorglos meinen Träumen folgend, auf unzählige Expeditionen durch ferne Länder und fremde Kulturen.
Unabhängige Wanderjahre ohne festen Wohnsitz, geprägt von Abenteuerlust, Erfahrungshunger und der Suche nach Sinndimensionen abseits von Funktionalität und Leistung, führten schließlich zur Berührung mit den unterschiedlichsten, faszinierendsten und exotischsten Musik- und Lebensformen und zum Eintauchen in die künstlerische und philosophische Gedanken- und Geisteswelt Asiens.
Was als harmloser Busking-Trip mit einem klapprigen VW-Bus durch Süd-Europa begann, entwickelte sich schon bald zu einer mehrjährigen, bewusstseinssprengenden Morgenlandfahrt.

Reality checks around the Globe



Die verschiedenen Lebensrealitäten einfacher Fischer an den menschenleeren Traumstränden Südindiens und tibetischer Yakhirten an den mystischen Waldhängen des Himalayas miteinander zu vergleichen, war nicht nur unglaublich aufregend, sondern auch äußerst lehrreich.
Oder das Weltbild heiliger Mönche in den Affentempeln Thailands mit dem der eiligen Geschäftsleute in den Hochhausdschungeln Singapurs oder Kuala Lumpurs.
Beim nächtlichen Deeptalk mit den Schamanen auf den Vulkaninseln Indonesiens relativiert sich das eigene Selbstverständnis genauso wie beim gemeinsamen Brüderschafttrinken mit den Last Headhunters in den abgelegenen Bergregionen der Philippinen.

One World
Einer der segenbringendsten Nebeneffekte der Erkundungsreisen durch die Universen fremder Gedankenwelten, Lebensweisen und Realitätstunnel ist, dass sie einem die Möglichkeit eröffnen, den eigenen, angelernten Wertekanon in einem quasi vergleichenden Licht betrachten zu können.
Jedes neue Reiseziel überrascht mit einer eigenen kulturellen Identität, einer individuellen Wirklichkeit, die man dann am besten verstehen kann, wenn man sich öffnet und seine subjektiven Wertvorstellungen und Normen - als nur eine von vielen Möglichkeiten erkennend - hintanstellt. Nach und nach formt sich so ein Weltbild, das von verständnisvoller Weltoffenheit und einer toleranten Grundhaltung geprägt ist.
Die Schönheit in der Vielfalt zu finden ist vielleicht die tiefgreifendste und nachhaltigste Erkenntnis jener Jahre.

One Music
Die Jahre als Weltenbummler und Straßenmusiker erweiterten dabei nicht nur meinen menschlichen, sondern auch meinen musikalischen Horizont - ein Souvenir, das mein restliches künstlerisches Schaffen entscheidend mitprägen sollte.
Bei den unzähligen Begegnungen mit Musizierenden aus aller Welt offenbarte sich sehr bald die gleichermaßen erhellende wie wegweisende Gewissheit, dass es auch in diesem Bereich eine Fülle gleichwertig nebeneinander existierender Realitäten und Sichtweisen gibt. Egal, ob man es mit Gitarristen aus dem Jazz, Rock, Blues oder der Klassik zu tun hat - oder mit traditionellen Musikern aus Nepal, Sri Lanka oder Bali: Bei genauerer Betrachtung findet sich in jedem Stil und jeder musikalischen Tradition ein eigener, ein einzigartiger Zugang mit ganz individuellen Schwerpunkten und Prioritäten.
So steht beispielsweise der anspruchsvolle Ansatz der Werktreue in der westlichen klassischen Musik dem Konzept der spontanen Improvisation im Jazz diametral gegenüber. Während in der Klassik die präzise Umsetzung der Intentionen des Komponisten im Fokus steht, geht es im Jazz darum, individuelle Ausdrucksformen zu entwickeln und musikalische Ideen frei zu gestalten.


Auch hier findet sich der jeweilige Schlüssel für ein tiefergehendes Verständnis im Ablegen seiner eigenen musikalischen Brille und im Sich-Öffnen für das Neue, das Unerforschte. Die Einsicht, dass ein authentisches Spiel innerhalb der verschiedenen Genres nur dann möglich ist, wenn das eigene subjektive Selbstverständnis nicht die Sicht trübt und man so nicht unbewusst den einen Stil mit den Stilmitteln eines anderen verfremdet, war auch hier eine große Bereicherung.
Am Ende wird man mit der Fähigkeit belohnt, jeder Musikrichtung und jedem Musiker unvoreingenommen, respektvoll und offen mit dem jeweils individuell nötigen eigenen Verständnis begegnen zu können.



Ob man sich letztlich der stiltreuen Interpretation verschreibt oder im Geiste einer bewussten Fusion die engen Fesseln der stilistischen Vorgaben sprengt, um Genres harmonisch miteinander zu verschmelzen - die Musik eröffnet uns die kreative Freiheit für beides, wobei auch hier wieder beide Ansätze in friedlicher Koexistenz nebeneinanderstehen.
Beim gemeinsamen Musizieren mit einem indischen Sitar-Meister in der Wüste Rajasthans oder einer Bambusflötenvirtuosin in den Regenwäldern Sumatras verschwimmen so die Grenzen der unterschiedlichen musikalischen Herkunft mitunter genauso rasch wie bei einer ausgelassenen, genreübergreifenden Cross-Culture-Flamenco-Improvisation mit den andalusischen Gitanos in den Hinterhöfen von Cádiz.
Nicht weniger reizvoll war meine Romanze mit der brasilianischen Nonchalance und Leichtigkeit des Bossa-Nova und dessen typischen Akkordfolgen und synkopierten Rhythmen oder die unvergesslichen abendlichen Blues-Sessions mit den rebellischen Straßenmusikern in den Hafenkneipen von Sydney.

Die Musik als universelle Sprache scheint die wunderbare Fähigkeit zu bergen, Menschen unterschiedlichster Couleur oder stilistischer Weltanschauung miteinander vereinen zu können. Sie vermag Brücken zu schlagen, sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden, und eröffnet einen Raum der Verständigung, der jenseits von Worten liegt.
So wurde in jenen frühen Jahren meine Gitarre nicht nur zum Symbol meiner Freiheit, sondern auch zum klingenden Werkzeug der Völkerverständigung und letztlich zum Sinnbild meiner pluralistischen Weltsicht.


Vom Studium zur Dozentur:
An Academic Journey

Der Kreis schließt sich:
Guitar Zen and the Art of Teaching
Meine Liaison mit der klassischen Gitarre blieb fortan eine sehr innige und bestimmte in der Phase nach meinem Studienabschluss für einige erfüllte Jahre mein kreatives Schaffen.
Schon früh erkannte ich, dass es mir stets mühelos gelang, komplexe Sachverhalte verständlich und auf einfache Weise zu vermitteln und ich gleichzeitig eine Riesenfreude daran hatte, mit Menschen jeden Alters und jeder Herkunft gemeinsam in die Welt der Musik einzutauchen, um sie auf ihrem individuellen Weg zu unterstützen und zu inspirieren.
So lag es nahe, die Lehrtätigkeit, die ich nebenbei schon während meiner Studienzeit begonnen hatte, fortan in den Mittelpunkt zu stellen und all die breit gestreuten und einzigartigen Erfahrungen, die ich in meinem Musikerleben bis dahin habe sammeln dürfen, zu bündeln und mit Gitarrenschülern aus aller Welt zu teilen.
Mit Dankbarkeit blicke ich heute auf mittlerweile 35 bereichernde Jahre pädagogischer Tätigkeit als Dozent an verschiedenen Wiener Konservatorien und Musikinstituten zurück, in denen ich das Vergnügen hatte, unzählige Schüler und Studenten von ihren Anfängen bis hin zur Diplomreife begleiten zu dürfen.
Auf der Suche nach weiterer musikalischer Entwicklung und immer neueren, umfassenderen Perspektiven führte mich der Weg schließlich wieder zurück nach Hause in die Musikstadt Wien.
Es folgte ein 9-jähriges Studium der klassischen Gitarre bei Univ.-Prof. Mag. ArtD. Jorgos Panetsos am „Prayner Konservatorium für Musik und dramatische Kunst“. Hingebungsvolle, aber auch disziplinierte Jahre des Strebens nach Vervollkommnung des Spiels, die nicht nur eine ungeahnt radikale Erweiterung des musikalischen Bewusstseins und ein komplett neues Verständnis künstlerischer Belange mit sich brachten, sondern auch überdies einen der spannendsten, lehrreichsten sowie unvergesslichsten aller bisherigen Lebensabschnitte bildeten.
Das parallele Eintauchen ins umfangreiche Universum der harmonikalen Grundlagenforschung war eine weitere faszinierende Entdeckung und überaus hilfreich, um mein Verständnis für musiktheoretische Zusammenhänge zu schärfen.




Das Eingehen auf die Einzigartigkeit und die individuelle Persönlichkeit jedes Einzelnen bildet nach wie vor die zentrale Grundlage meines Unterrichts, wobei das bewusste Vermeiden vom schalen Abarbeiten starrer und verstaubter Lehrpläne ein Garant für einen abwechslungsreichen, gewinnbringenden, freudvollen Unterricht und letztlich für stetigen Fortschritt und langfristigen Erfolg ist.
Und so freue ich mich selbst nach all den Jahren immer noch auf jeden neuen Schüler, auf jede neue Schülerin und auf all die musikalischen Reisen, die es gemeinsam zu erkunden gilt.

Chicken Curry
Crossover-Projekt, bei dem alle musikalischen Fäden zusammenlaufen. Ein freies Kollektiv wechselnder Musiker aus aller Welt, die auf großhorizontige Art und Weise ihre breitgefächerten musikalischen Einflüsse verarbeiten und dabei zwanglos und spielerisch mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen experimentieren.
Ein klangliches Multiversum, in dem eine Begegnung von hinduistischen Bhajans mit Songs von 60er-Jahre-Ikonen wie Led Zeppelin, Jimi Hendrix oder den Beatles genauso Platz hat, wie der archaische Klang einer traditionellen philippinischen Kusyapi, der frech mit dem Werk Johann Sebastian Bachs kontrastiert.
Indische Tablas, ungewöhnliche Begleit-Arrangements auf der klassischen Gitarre, Gesang, raffiniert eingesetzte asiatische Soundscapes und psychedelische Klangcollagen aus dem PC geleiten die Zuhörer durch die multiplen O(h)rgasmen eines garantierten Zero-Gravity-Hippie-Salat-Joyrides.



Source of Inspiration
My little family over the years




















